Grünachsentour durch die Oberstadt

 (Karte: ©Bundesamt für Kartographie und Geodäsie / Route aus OpenStreetMap, ODbL 1.0)

Die Route startet im Grüngürtel auf der Höhe der Bushaltestelle Uniklinik und verläuft über den Grüngürtel, Ritterstraße, Am Rosengarten, An der Favorite, Volkspark, Am Viktorstift, Bretzenheimer Weg, Landwehrweg, Milchpfad zum Naturschaugarten Lindenmühle.

Startpunkt A – Grüngürtel – Filter für Schadstoffe und Lärm

Der Grüngürtel hat nicht nur wegen der Naherholung, des Stadtklimas und des Biotopverbunds eine wichtige Bedeutung. Die ehemalige Wallanlage gilt als die Grüne Lunge der Alt- und Oberstadt.  Luftverschmutzung und Lärm gehören mit den durch den Klimawandel immer häufiger auftretenden Hitzewellen zu den TOP3 der Umweltbelastungen in Europa. Vorzeitige Todesfälle und eingeschränkte Lebensqualität sind die Folge. Blätter von Bäumen und anderen Pflanzen reduzieren durch ihre große Oberfläche Schadstoffe und Lärm. Eine konsequente Verkehrswende und eine Vernetzung bzw. Ausbau der städtischen Grünflächen ist daher ein absolutes Muss für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Station 1 – Ritterstraße – Idee einer durchgehenden Grünachse

Aus vielen Studien geht hervor, dass mangelndes Sicherheitsempfinden durch Fahren im oder Wechseln in den Mischverkehr den Umstieg vom Auto auf Rad insbesondere für Familien mit Kindern erschwert. Durchgehende verkehrsberuhigte bzw. autofreie Achsen sind für eine substanzielle Verkehrswende dringend nötig. Eine Achse könnte vom Hauptbahnhof über den Grüngürtel und Volkspark nach Weisenau führen. Um die Achse zu vervollständigen könnten die Ritterstraße, Am Rosengarten und An der Favorite zu Fahrradstraßen umgewidmet werden. Durch Aufstellen von Straßenpollern könnte Durchgangsverkehr vermieden werden. Die breite Ritterstraße könnte mit zusätzlichen bienenfreundlichen Grünstreifen zu einer Grünachse ausgebaut werden. Auch ein Ausbau der Grünflächen in der relativen breiten Ritterstraße wäre begrüßungswert. Die Blüten der Zierkirschen sehen zwar schön aus, werden jedoch nur von wenigen Insekten angeflogen. Die Grünflächen sollten daher nicht nur ausgebaut, sondern auch insektenfreundlicher gestaltet werden.

Station 2 – Stadtpark fürs Stadtklima

Von 2016 bis 2019 nahm die Stadt Mainz an der Klimprax-Studie des hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie teil. Dabei wurde unter anderem die Bedeutung von Parkanlagen für das Stadtklima betont. So führt die Verdunstung von Wasser in der unversiegelten, stark bepflanzten Fläche zu einer Kühlung der Luft. Der Temperaturunterschied zu stark versiegelten Flächen kann in Mainz an Hitzetagen 7-8 °C betragen.  Ein Ausbau der innerstädtischen Grünflächen ist auch wegen Klimawandels ein absolutes Muss für ein nachhaltige Stadtentwicklung. Da solche Parkanlagen öffentlich zugänglich sind, ist ein Ausbau besonders sozialverträglich.

Station 3 – Volkspark – Grünfläche für Naherholung und als soziale Treffpunkte

Ob Volkspark, Hartenbergpark, Goethepark, Rheinwiesen oder Winterhafen. Die autofreien Grünflächen sind ideale Orte für Naherholung und soziale Treffpunkte. Eine Ausweitung von autoreduzierten Bereichen kann da nur begrüßt werden. Als geplanter Schauplatz der Landesgartenschau 2026 sollen Teile des Volksparks kostenpflichtig werden. Die Mainzer Bürger wünschen sich statt der Umgestaltung einer bestehenden Grünfläche, die Erweiterung von Grünflächen, wie bei einer Bürgerbeteiligung deutlich wurde.

Station 4 – Bretzenheimer Weg - Radfahren ohne Mischverkehr

Ein gutes Beispiel für eine durchgängige autofreie Achse verläuft vom Volkspark entlang des Bretzenheimer Wegs und des Landwehrwegs bis zum Pariser Tor. Diese Achse verbindet Weisenau mit der Oberstadt bzw. Zahlbach.

Station 5 – Der Grüngürtel als Biotopverbund

Ein Biotop ist ein Lebensraum bestimmter Tier- oder Pflanzengesellschaften. Ein Biotopverbund ist gegeben, wenn funktionale Kontakte zwischen diesen Lebensräumen bestehen und die Fläche dazwischen für Organismen überwindbar ist, so dass ein beidseitiger Individuenaustausch möglich ist. Dies ist auch ein durch das Bundesnaturschutzgesetz angestrebtes Ziel. Der Grüngürtel schließt sich an die Mainzer Zitadelle an, welche eine der artenreichsten Flächen im bebauten Bereich von Mainz darstellt, bietet jedoch in der Oberstadt leider keine Verbindung zum Stadtgarten oder Volkspark.

Aufgepasst!

Hecken bieten Brutmöglichkeiten für Vögel oder Rückzugsräume für andere Kulturfolger. Deswegen sollten Hunde angeleint werden und möglichst die Hecken nicht begangen werden.

Endpunkt B – Naturschaugarten – Biodiversität

Artenschutzprojekt der Lokalen AGENDA 21 von Bürgern für Bürger. In der naturnahen Schaupflanzung können heimische Pflanzen, Gewächse für Schotterflächen, Sandflächen, Trockenmauern, Urobst, Nisthilfen kostenlos und jederzeit bewundert werden. Dies soll Interessierten Anregung für den eigenen Garten geben und damit die Artenvielfalt stärken.

Apropos eigener Garten: Kennt ihr schon den Gartenschläfer?

Nur in wenigen Regionen in Deutschland ist der kleine Bilch mit der Zorro-Maske noch ein häufiger Gast. Besonders In Mainz und Umgebung scheint er sich wohlzufühlen und wohnt oft in unseren Gärten. Allerdings zieht er auch in Dachböden ein, nicht immer zur Freude der anderen Hausbewohner.

Leider ist es so, dass der Gartenschläfer in den letzten 30 Jahren über 50% seines Verbreitungsgebietes verloren hat. Und im Moment weiß keiner warum.

Grund genug, dass der BUND zusammen mit der Senckenberg Gesellschaft und der Uni Gießen mit der "Spurensuche Gartenschläfer" erforscht, warum es dem Gartenschläfer bei uns immer schlechter geht.

Wenn bei euch einer wohnt, meldet ihr ihn auf der Webseite: www.gartenschlaefer.de und helft mit, den Gartenschläfer zu schützen und weiter zu erforschen.

Alle Fotos: Dr. M.Weloe