Kreisgruppe Mainz-Stadt

Sofortmaßnahmen in der Corona-Krise auch im Straßenverkehr

11. Mai 2020

Empfohlenen Mindestabstand für Fuß- und Radverkehr in Mainz ermöglichen

Gemeinsame Presseerklärung vom

PARK(ing) Day Mainz, ADFC Mainz-Bingen e.V., Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) e.V. – Kreisgruppe Mainz-Stadt, Critical Mass Mainz, fahr Rad Mainz!, Foodsharing Mainz, NABU Mainz und Umgebung e.V., VCD Rheinhessen e.V., VCD Rheinland-Pfalz e.V.

In Zeiten von COVID-19 hat sich der Radius verkleinert, in dem wir uns bewegen. Infolgedessen gehen die Mainzerinnen und Mainzer häufig zu Fuß oder nutzen das Fahrrad. Wer nicht mit dem Auto unterwegs ist, für den ist Abstand halten im öffentlichen Raum oft nicht möglich. Langfristige Maßnahmen sind zwar wünschenswert, allerdings sind Sofortmaßnahmen notwendig, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Ein Bündnis aus engagierten Bürger*innen mit der Unterstützung von Umwelt- und Verkehrsinitiativen aus Mainz fordert deshalb mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sowie temporäre Geschwindigkeitsreduktion während der Pandemie.

Auf Gehwegen kommt man schwer mit dem gebotenen Abstand aneinander vorbei, ohne auf die Straße auszuweichen oder sich einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen. Die Theodor-Heuss-Brücke zum Beispiel ist gerade an Wochenenden auf dem geteilten Fuß- und Radweg so eng, dass sich gegenseitige Rücksichtnahme auf andere als fast unmöglich gestaltet. Öffentlicher Raum ist knapp, der Platz zum Spielen ist trotz der Öffnung der Spielplätze begrenzt und vor allem einkommensschwache Familien ohne Garten und mit kleinen Wohnungen sind dadurch benachteiligt. Der öffentliche Raum gehört allen und sollte in Zeiten wie diesen fair verteilt werden. Einer Umfrage des ADAC zufolge stimmen 42 Prozent der Befragten der Idee zu, Verkehrsflächen zugunsten von Radfahrer*innen und Fußgänger*innen neu zu verteilen. Nur 19 Prozent stimmten überhaupt nicht zu.

Viele Städte machen es vor
Brüssel, Berlin, New York und Mailand zeigen, wie es gehen kann: Innerhalb kürzester Zeit hat Brüssel Vorrangzonen für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen in der Innenstadt eingerichtet. Außerdem gilt Tempo 20 im Straßenverkehr. Auch unter den deutschen Städten gibt es Vorreiter. In Berlin wurden an Sonn- und Feiertagen einzelne Straßen kurzerhand gesperrt und zum Spielen freigegeben. Und innerhalb kürzester Zeit entstanden etliche Kilometer Pop-up-Radwege: Fast zehn Kilometer davon gibt es bereits, weitere zehn sind in Arbeit.

Ideen gibt es genug, es ist nun an der Zeit, diese auch in Mainz voranzubringen. Denn gute Konzepte unterstützen die Menschen nicht nur dabei, gesund zu bleiben, sondern wirken sich auch auf die Lebensqualität in der Stadt Mainz aus. Pop-up-Radwege in der Rheinstraße beispielsweise würden eine Ausweichroute für das ohnehin überfüllte Rheinufer schaffen, so dass Corona-gerechte Mobilität möglich wird. Die Stadt Mainz kann hier und an vielen weiteren Orten einen Beitrag dazu leisten.

Deshalb fordern wir:
Entzerrung: Platz und Raum für Fußgänger*innen

- Verbreiterung von Gehwegen, z. B. durch die Entfernung von Parkplätzen, wo der Gehweg zu schmal ist
- Einrichtung weiterer verkehrsberuhigter Bereiche
- Recht auf Spielen: Die Interessen der Kinder kommen in Corona-Zeiten häufig zu kurz. Deshalb: Zeitweise Straßensperrungen zur Entlastung der Spielplätze

Mehr Raum für Radverkehr auf der Straße
Um der steigenden Zahl an Radfahrenden gerecht zu werden, sollte dem Radverkehr mehr Platz eingeräumt werden: Wo Radverkehr aktuell über Gehwege geführt wird, kann er auf die Fahrbahn verlegt werden. Damit wird gleichzeitig Platz auf den Fußwegen geschaffen. Es eignen sich sowohl temporäre Radstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen. Radverkehr und zu Fuß gehende Menschen verteilen sich so bestmöglich auf der Straße, der Abstand kann eingehalten werden. Provisorische Verkehrsberuhigung hilft auch bei der Entlastung von Parks und ermöglicht Mobilität ohne Ansteckungsgefahr.

Geschwindigkeitsreduktion: Tempo 30 überall
Tempo 30 reduziert die Unfallgefahr und erhöht die Sicherheit von Fuß- und Radverkehr in Mainz. Deshalb sollte dort, wo mehr Radverkehr auf die Straße geführt wird, die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduziert werden – und das nicht nur in der Innenstadt. Zusätzlich vermindert sich bei Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auch der Lärm, was zu einer Entlastung der Menschen führt, die sich vorrangig zuhause aufhalten.

Weitere Informationen auf www.parking-day.de oder auf Twitter unter @parkingdaymz
Kontakt:
Simon Wehr |  simon@wehrundweissweiler.de | 06131 – 8 90 39 55

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