Netzwerk nachhaltige Stadtentwicklung

Das Netzwerk nachhaltige Stadtentwicklung gründete sich, nachdem im Frühjahr 2022 bekannt geworden war, dass die Stadt Mainz in der Bretzenheimer Ebene ein weiteres Gewerbegebiet plant. Neben dem sogenannten Hochschulerweiterungsgelände, das sich aktuell im Bau befindet, sollen noch einmal 52 ha landwirtschaftliche Flächen für einen “Biotechcampus” genutzt werden.

 (Michael Lengersdorff (MainzZero))

Damals schlossen sich knapp zehn Umweltinitiativen zusammen, die aus unterschiedlichen Gründen eine weitere Bebauung der Bretzenheimer Ebene ablehnten, u.a. Attac AG Stadtentwicklung, BUND Mainz, Nachhaltigkeitsinitiative Bretzenheim, MainzZero, Solawi und die Parents for Future. Auch einige Landwirte waren sehr interessiert an dem Thema, hinzu kamen viele Privatpersonen, die sich engagieren wollten.
Weitere Gruppen, die am Anfang dabei waren, mussten sich zwischenzeitlich  aus Kapazitätsgründen leider zurückziehen.

Am 15.11.22 ging die Gruppe mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit und präsentierte ihre Bedenken gegen die weitere Bebauung der klimasensiblen Fläche in der Bretzenheimer Ebene, was ein erhebliches Medienecho hervorrief.

Klima: das Gelände liegt in einer Kaltluftentstehungszone und bildet einen Kaltluftsee, der in der zweiten Nachthälfte über die Saarstraße und durchs Gonsbachtal bis nach Mombach und an den Rand der Neustadt fließt und die anliegenden Flächen kühlt.

Die Landwirtschaft wird immer weiter eingeschränkt. Die Böden in der Bretzenheimer Ebene gehören zur bestmöglichen Qualitätsstufe (Schwarzerde), sie tragen zur regionalen Versorgung und Daseinsvorsorge bei. Sie sind zu schade, um bebaut zu werden.

Hier leben bedrohte und geschützte Tierarten: Feldhase, Feldlerche, Rebhuhn und einige wenige Feldhamster, die zum Leben Ackerflächen brauchen, weil sie genetisch daran angepasst sind.

Unversiegelte Böden speichern Wasser und CO2, in ihnen leben Milliarden von Kleinstlebewesen, die durch ihre Aktivitäts entscheidend zur Bildung des Humus beitragen. Dieses äußerst komplexe Ökosystem wird durch Bebauung irreversibel zerstört. 

Die Landesregierung formuliert in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel, die Flächenneuinanspruchnahme bis 2030 dauerhaft auf unter einen Hektar pro Tag zu erreichen. “Die 4-Jahreswerte haben sich von 2019 (= Zeitraum 2016-2019 ) mit 1.4 ha über 2020 (= Zeitraum 2017-2020) mit 2,0 ha auf 4,3 ha pro Tag für 2021 (=Zeitraum 2018-2021) entwickelt. Dabei beträgt die tägliche Flächenneuinanspruchnahme 8,6 ha als Jahreswert für das Jahr 2021. Die 4-Jahreswerte unterschätzen damit die wahre Dynamik der stark ansteigenden Flächenneuinanspruchnahme.”

Am Rand einer umgepflügten, trockenen Ackerfläche stehen drei Pavillons. Auf dem mittleren ist das BUND-Logo zu sehen. Zahlreiche Menschen sind unter und zwischen den Pavillons zu sehen. Außerdem steht dort ein Turm aus drei Stohballen mit Transparenten, die aus dieser Perspektve aber nicht zu lesen sind.

Im August 2023 veranstaltete das Netzwerk ein gut besuchtes Ackerfest, um auf den immensen Wert der Fläche und die drohenden Schäden für Umwelt und Klima hinzuweisen. Neben Infoständen der Gruppen gab es Bodenuntersuchungen, Vorträge, Spiel und Spaß für Kinder. Am Kaffeestand konnten sich alle Kaffee und Kuchen sowie weiteren kleinen Leckereien versorgen.

Im Spätsommer 2024 wurde die Petition “Keine Neuversiegelung für den Biotech-Campus!” ins Leben gerufen.

Gestartet wurde mit der Unterschriftensammlung an Ständen, die Online-Petition kam etwas später. Seitdem wird unermüdlich gesammelt, bei Veranstaltungen, auf Wochenmärkten …

Im Oktober 2025, nachdem auch die Pläne der Unimedizin bekanntgeworden waren, entweder das ehemalige “Medienpark-Gelände” an der Draiser Senke oder aber die Bretzenheimer Ebene für einen zweiten Standort zu nutzen, organisierte das Netzwerk einen Aktionsnachmittag an der bekannten Stelle in den Feldern hinter der Mewa-Arena. Diesmal wurde an den Ständen deutlich auch über diese Gefahr für das Mainzer Klima informiert, edie Teilnehmenden konnten an einer einer Krautschau am Ackerrand und an einer Klimaführung teilnehmen, In der Becherlupe und unter dem Mikroskop konnten Bodentiere beobachtet werden, es gab Spielmöglichkeiten für Kinder - und natürlich Kaffee und Kuchen.