Ein neues Gaskraftwerk für Mainz?
(BUND Mainz/Sc)
Im Januar 2026 beantragten die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) den Bau eines weiteren Gaskraftwerks auf der Ingelheimer Aue. Vom 9.2. bis einschließlich 9.3.26 waren die Planungsunterlagen in der Offenlage, bis zum 7.4.26 konnten Einwendungen dagegen vorgebracht werden. Dies hat neben anderen Mainzer Umweltgruppen auch der BUND Mainz getan. Warum?
Der Antrag der KMW umfasst Bau und Betrieb des sog. Kraftwerks 6 "in einer zukunftsfähigen Ausführung sowie zur hocheffizienten und hochflexiblen Stromerzeugung für Grund-, Mittel- und Spitzenlast. Die Anlage soll im Jahr 2027 in Betrieb genommen werden", so konnte man in der Ankündigung der Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd (SGD Süd) lesen. Das Kraftwerk soll aus 12 Gasmotoren bestehen, die zugunsten hoher Flexibiltät unabhängig von einander betrieben werden können, wobei laut der Webseite der KMW die “Option zur späteren Nachrüstung einer Wärmeauskopplung bereits jetzt schon berücksichtigt” ist. Außerdem soll es H₂-ready sein, kann also auch mit (z.B. grünem, also aus regenerativen Energien stammendem) Wasserstoff betrieben werden.
Grundsätzlich betrachten wir Gaskraftwerke als wenig zukunftsfähig, da wir angesichts der Klimasituation die dringende Notwendigkeit sehen, aus den fossilen Energieträgern auszusteigen. Das ist sicher nicht von heute auf morgen möglich, aber was wird uns hier eigentlich versprochen?
Als grundsätzlich positiv betrachten wir die geplante Auskoppelung von Fernwärme, auch die Möglichkeit, grünen Wasserstoff zu verbrennen. Beides ist geplant. Aber wann wird es umgesetzt? Mainz will bis 2035 klimaneutral sein, Rheinland-Pfalz bis 2040.
Bis zu 60% der entstehenden Wärme sollen zukünftig in die Fernwärme eingespeist werden. Im Sommer allerdings, wenn nicht so viel Wärme benötigt wird, kann auch das Rheinwasser zur Kühlung verwendet werden - der Rhein erreicht nach der Messtation an der Theodor-Heuss-Brücke jetzt bereits im Sommer an die 30° Wassertemperatur. In der Planung werden sicher alle Grenzwerte eingehalten, aber wer garantiert uns, dass die abgeleitete Wärme nicht doch das Klima in der Stadt aufheizt, wenn zusätzlich wegen der geplanten Bebauung von Kaltluftentstehungsgebieten in den Außenbereichen weniger kühle Luft in die Neustadt und die Innenstadt fließen wird? Überall nur ein bisschen Verschlechterung bewirkt im Ganzen eine weitere Erhitzuung in den jetzt schon zu heißen Gebieten.
Betrachten wir die Auslegung des Kraftwerks als “H2-ready”, also als in der Lage, Wasserstoff zu verbrennen. Das bringt natürlich nur etwas , wenn der Wasserstoff grün ist, also aus regenerativen Quellen stammt. Aber damit ist so schnell nicht zu rechnen. Das wissen auch die KMW und deshalb wird das geplante Kraftwerk zwar als zukunftsfähig beworben - die H2-Readiness gehört aber nicht zum Antrag. Das ist aus unserer Sicht auch korrekt, denn dafür müsste am Kraftwerk etliches umgebaut werden, die Umbauten müssten beantragt werden. In der jetzt beantragten Form ist das Kraftwerk nicht wasserstoffähig. Warum steht die Behauptung dann im Antrag?
Wir sind der Ansicht, dass hier ein neues fossiles Kraftwerk gebaut wird, das sicher Vorteile gegenüber den alten Blöcken hat, aber trotzdem ein fossiles Kraftwerk ist. Es soll - auch wenn dies angedeutet wird - nicht nur einen Blackout vor allem des im Bau befindlichen Rechenzentrums verhindern, sondern eben auch im Grund- und Mittellastbetrieb eingesetzt werden. Das Kraftwerk ist auf lange Sicht abhängig von zuverlässigen Gaslieferanten - angesichts einer weltpolitischen Lage, die gerade diese Zuverlässigkeit vermissen lässt.
Die Leistung des Rechenzentrums ist jetzt bereits zu knapp 50% an ein internationales Unternehmen vermietet. So viel Rechenleistung, wie hier gebaut wird, brauchen nur Unternehmen wie die Big Tech-Firmen, die in Sprachprogramme wie ChatGPT investieren, also Microsoft, Google … Dafür setzen setzen wir unser Ziel der Klimaneutralität aufs Spiel. Eine weitere Entscheidung, die den Umwelt- und Klimaschutz der Wirtschaftlichkeit unterordnet.
Für eine Stadt wie Mainz sehen wir hier kein zukunftsfähiges Modell. Und deshalb lehnen wir den Bau dieses Gaskraftwerks ab.