Wie steht es um die Amphibien und Reptilien in Mainz?

BUND Mainz führt erste Bestandserhebung seit 30 Jahren durch

17. Dezember 2025

Wen es nicht grauste, nach Kröten und Schlangen zu suchen, der war in den letzten drei Jahren bei der BUND-Kreisgruppe Mainz herzlich willkommen. Die Aktiven haben die Mainzer Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, im Stadtgebiet Reptilien und Amphibien (= Herpetofauna) zu suchen und zu dokumentieren.

Jede zweite Amphibienart und mehr als zwei Drittel der Reptilienarten sind in Deutschland bestandsgefährdet (Rote Liste Deutschlands 2021). Für neun Amphibien- und sieben Reptilienarten hat Deutschland sogar eine besondere Verantwortung. Die überwiegend streng geschützten Tierarten mussten in den vergangenen Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen erhebliche Bestandseinbußen hinnehmen. Frösche, Kröten und Molche leiden vor allem unter den zunehmend trocken-heißen Sommerhalbjahren. Oft trocknen schon im Mai die Laichgewässer aus und der Nachwuchs geht verloren. Aber auch der Verlust von Lebensräumen spielt eine entscheidende Rolle. Insbesondere Amphibien sind aufgrund ihrer verschiedenen Entwicklungsstadien auf sehr diverse Lebensräume angewiesen. Neben der Trockenheit sind außerdem verschiedene eingeschleppte Parasitenerkrankungen die derzeit größte Gefahr für die Amphibienwelt in Deutschland. Auch eingewanderte Süßwasserkrebse können großen Schaden anrichten. In Mainz ist besonders der Rückgang der Erdkröte zu beklagen, die noch vor wenigen Jahren im Lennebergwald sehr häufig anzutreffen war. Die Projektleiter*innen der Studie, Dorothee und Dr. Stephan Kerbeck, schlagen daher vor, stehende Kleingewässer zu schaffen bzw. wiederherzustellen. Diese sollten mit etwas tiefer liegenden Rückzugszonen für die Trockenphasen ausgestattet sein. Dies könnte man beispielsweise im Gonsbachtal durchführen.

Besonders erschreckend ist der weitgehende Verlust der ehemals stabilen Zauneidechsenbestände. Die relativ kräftigen, aber behäbigen Eidechsen sind an vielen Standorten von einer kleineren, aber sehr vitalen und vermehrungsfreudigen Variante unserer heimischen Mauereidechse verdrängt worden. Diese ist wahrscheinlich um das Jahr 2000 mit Güterzügen aus Westfrankreich zunächst in den Zollhafen eingeschleppt worden, von wo aus sie sich inzwischen über weite Teile des Stadtgebietes verbreitet hat. Begünstigt wurde dies auch durch Umsiedlungsprojekte. Während heute praktisch der gesamte Lennebergwald von Mauereidechsen besiedelt ist, sind die dort früher häufigen Zauneidechsen fast verschwunden.

Als einzige Schlangenart konnte in Mainz übrigens die ungiftige Barrenringelnatter gefunden werden. Eine kleine Population geht in den Teichen des Laubenheimer Rieds auf Fischfang.

Die Ergebnisse aus drei Jahren Beobachtung zur Bestandssituation der Herpetofauna wurden in einem Bericht zusammengefasst. Dieser kann auf der Homepage des BUND Mainz heruntergeladen werden: https://mainz.bund-rlp.de/themen-und-projekte/kartierungsprojekt-amphibien-und-reptilien-in-mainz/.
“Der Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt aber dennoch einen ordentlichen Überblick sowie Hinweise für den haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz zum künftigen Umgang mit Amphibien und Reptilien in Mainz und deren Biotopen”, erläutern Dorothee und Dr. Stephan Kerbeck.

Weitere Informationen: BUND Mainz, mainz.bund-rlp.de, mainz(at)bund-rlp.de

Download Bericht (pdf, 1045 kb)

Download Pressemitteilung (pdf, 188 kb)