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Liebe Freundinnen und Freunde der Mainzer BUND-Kreisgruppe,

nach unserem allgemeinen Newsletter, der Sie darüber informiert hat, was die Mainzer BUND-Gruppe in den ersten Monaten des Jahres gemacht hat, möchten wir Sie heute für ein Tier sensibilisieren, das mir persönlich ganz besonders am Herzen liegt: der Gartenschläfer.

Er ist niedlich, aber er ist auch laut, er betrachtet das Haus und den Garten als sein Eigentum und wird deshalb nicht selten von seinen menschlichen Mitbewohner*innen, die das ganz anders sehen,  ausquartiert.
Das ist zunächst verständlich, aber leider auch sehr fatal.

Warum das so ist, können Sie in diesem Newsletter lesen - und ich hoffe, dass ich Ihnen etwas von der großen Faszination für dieses kleine Tier vermitteln kann, so dass Sie und alle, denen Sie diesen Newsletter gerne weitergeben dürfen und sollen, ihn in Zukunft als manchmal lästigen, aber insgesamt sympathischen Mitbewohner bleiben lassen.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Maren Goschke
(Kreisgruppensprecherin)

 
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Eigentlich kenne ich Gartenschläfer schon mein ganzes Leben, nur war mir das lange Jahre nicht so klar. Meine Großmutter sprach schon immer von den Bilchen bei uns im Garten. "Kind, hörst du, was die Bilche für einen Radau machen?", waren ihre Worte. Dass sie damit die Gartenschläfer meinte, die jetzt in den Fokus der Forschung geraten sind, wusste ich damals nicht.
Gartenschläfer gehören, wie der Siebenschläfer und die Haselmaus, zur Familie der Bilche, oder wie sie auch heißen: Schlafmäuse. Diese Bezeichnung haben sie sich durch ihren langen Winterschlaf verdient: von Oktober bis März, sechs ganze Monate. Natürlich gibt es Ausnahmen, so dass man einem Gartenschläfer auch mal im Winter begegnen kann.

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Gartenschläfer lassen sich gut von den anderen Bilchen unterscheiden: sie tragen eine schwarze Augenbinde, haben rotbraungrau gefärbtes Fell und einen weißen Bauch.
Erst viele Jahre später ist mir bewusst wieder ein kleiner Gartenschläfer begegnet, den hatte unser Kater ins Haus gebracht. Der kleine Bilch war aber so pfiffig, dass er unserem Hausgenossen eine lange Nase gedreht hat. Er ist die Wand an der Tapete nach oben geklettert und für den Kater unerreichbar hinter einem Schrank verschwunden. Es hat mich einige Mühe gekostet, den kleinen Kerl mit einer Lebendfalle einzufangen und wieder in die Freiheit und damit in sein gewohntes Umfeld zu bugsieren.

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Wenn Sie einen Gartenschläfer in Ihrer Wohnung haben, dürfen Sie ihn selbstverständlich wieder nach draußen umquartieren. Was Sie aber auf keinen Fall dürfen, ist, ihn irgendwo anders hinbringen, weil Sie den kleinen Quälgeist gerne loswerden möchten. Gartenschläfer können grundsätzlich unterschiedliche Lebensräume bewohnen, aber Ihr Gartenschläfer wohnt bei Ihnen, weil er sich genau dort wohlfühlt und diese Umgebung braucht. Wenn Sie ihn irgendwo hinbringen, womöglich auf die andere Rheinseite, liefern Sie ihn und damit vielleicht auch seine Jungen mit großer Wahrscheinlichkeit dem Tod aus. Und daher ist das auch streng verboten!

Gartenschläfer sind wie alle Bilche eine streng geschützte Art, für deren eventuelle Umsiedlung eine Genehmigung der Strukturgenehmigungsdirektion (SGD) Süd erforderlich ist (wie z.B. auch bei Hornissen etc.). Die erste Anlaufadresse dafür ist die Untere Naturschutzbehörde, das ist in Mainz das Grün- und Umweltamt.

Auf diesen Seiten können Sie sich noch genauer über den Umgang mit Gartenschläfern informieren:

Tipps für Hausbesitzer

Tipps für die Gartengestaltung

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Inzwischen wohne ich wieder in meinem Elternhaus – und die Bilche sind tatsächlich auch noch da. Sie wohnen immer noch bei uns im Garten, wo wir ihnen mittlerweise natürlich Kobel in die Bäume gehängt haben. Vielleicht sind sie auch irgendwo in nicht komplett verschlossenen Ritzen des Hauses. Was ein Glück, dass so ein altes Holzhaus aus den 70ern überall kleine Lücken und Löcher hat. Allerdings entdecken die findigen Kerlchen auch in anderen Häusern Lücken und Löcher, die wir Menschen nicht wirklich wahrnehmen.

Den nächsten "close encounter" gab es, als ich einen kleinen "Zorro" tief und fest schlafend zwischen Sonnenblumensamen im Eichhörnchenfutterhaus gefunden habe. Nur der lange Schwanz passte nicht mit hinein. Gartenschläfer sind nämlich deutlich größer als Mäuse. Und im Unterschied zu ihnen haben sie eine Quaste am Schwanzende.

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Der lange Schwanz hilft ihnen beim Klettern. Gartenschläfer flitzen über die Bäume und durch die Hecken – am Boden sind sie eigentlich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Äste, die ans Haus reichen, sind oft eine willkommene Einladung, um den Bewohnern eventuell einen Besuch abzustatten.  Allerdings schaffen die Tiere es auch, senkrecht die Wände nach oben zu klettern.

Eine große Gefahr in den Gärten sind allerdings nicht abgedeckte Regentonnen oder zu steile Gartenteiche. Gartenschläfer trinken sehr viel, und wenn sie dann ins Wasser fallen, haben sie kaum eine Chance, wieder ans Ufer zu kommen.
An unseren Infoständen, im Gespräch mit Nachbarn oder auch per E-Mail haben mich inzwischen viele Geschichten erreicht, von Gartenschläfern in Rollladenkästen, Kinderstuben in Vogelnistkästen ... Wenn Sie einen Gartenschläfer in Ihrer Nähe haben: schicken Sie uns Ihre Geschichte.

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Auch mein Mann hatte ein im Nachhinein lustiges Zusammentreffen, als er abends gemütlich auf der Terrasse saß und ihm plötzlich ein Gartenschläfer auf den Schoß fiel, der wohl vom Dachüberstand gepurzelt war. Da haben sich beide doch sehr erschreckt. So etwas ist aber eher die Ausnahme, da die Kerlchen doch versierte Kletterer sind.
Von da an hatten sie mich vollends in ihren Bann gezogen. Inzwischen (seit April) sitze ich abends mit der Kamera und langem Objektiv zur Dämmerung auf der Terrasse und beobachte, wie sie übers Dach durch die Magnolie in der Hecke verschwinden. Rabatz können sie auch noch machen – und wie! An manchen Abenden scheinen sie dicke Parties irgendwo in unserer Ligusterhecke zu feiern.
Wo unsere Gartenschläfer genau wohnen, daraus machen sie inzwischen ein Geheimnis. Ein paar Spuren hinterlassen sie aber immer für mich, sei es ein angeknabberter Apfel, etwas Losung, über Nacht leergefressenes Vogelfutter oder Kirschen, die am Baum quasi nur noch aus Kern bestehen.

Gartenschläfer gibt es auf Streuobstwiesen, in Wäldern und eben auch als Kulturfolger in Siedlungen. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass sie in manchen Regionen von Deutschland verschwunden sind (vgl. die Karte der deutschlandweiten Meldungen). Wie ihre Lebensraumausstattung tatsächlich aussehen muss, ist eine der offenen Fragestellungen des bundesweiten Gartenschläfer-Projekts.

So bleibt es spannend bei der Spurensuche Gartenschläfer.

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Deshalb hier noch eine Bitte an Sie:

Der BUND möchte die Art durch die Erforschung seiner Lebensweise und gezielte Naturschutzmaßnahmen fördern und hat deshalb gemeinsam mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und der Justus Liebig Universität Gießen (JLU) ein Projekt für den Schutz der Gartenschläfer gestartet.

Machen Sie mit und melden Sie uns Bestände von Gartenschläfern!

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