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Kohlekraftwerk nicht zukunftsfähig

21. Januar 2008

BUND erhebt Einwendungen
Umweltministerin fällt Hessen - SPD in den Rücken
Mainz. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. die Stadtwerke Mainz-Wiesbaden auf, ihre Pläne für ein Kohlekraftwerk am Standort Mainz zurück-zuziehen. Das Projekt sei das Gegenteil einer vernünftigen Planung. Die Umweltbelas-tung durch Feinstaub, Luftschadstoffe und CO2 werde unverantwortlich hoch. Die Kos-ten liefen aus dem Ruder.
Die Bevölkerung von Mainz und Wiesbaden werde gleich doppelt gestraft. Sie habe die schlechtere Luft, die gesundheitlichen Schäden und müsse am Schluss über die Stromrech-nung oder den städtischen Haushalt auch noch die teuren Kosten für die Fehlplanung der Ver-antwortlichen aufbringen. Die EU-Vorgaben würden den Kraftwerksbetrieb so verteuern, dass die Planung nicht mehr sinnvoll sei.
„Wir fordern deshalb die KMW, aber auch Herrn Beutel und Frau Conrad als politisch Ver-antwortliche, auf, dem Kohlekraftwerk eine Absage zu erteilen. Klimaschutz und der Bau eines 823 MW Kohlekraftwerkes sind nicht vereinbar. Wer anderes behauptet, verschließt die Augen vor der Realität,“ begründet BUND–Landesvorsitzender Dr. Bernhard Braun die Ein-wendungen des BUND gegen das Kohlekraftwerk. Auch die gesundheitlichen Folgen für die Mainzer Bevölkerung durch jährlich 390.000 kg Feinstaub, 10.000 kg Schwermetalle und andere Luftschadstoffe seien nicht hinnehmbar. Darauf hätten auch Ärzteinitiativen hingewie-sen.“
„Die Pläne der EU, die am 23. Januar vorgestellt werden, werden den Betrieb des Kraftwerkes massiv verteuern,“ stellt Dr. Werner Neumann, Sprecher des Bundesarbeitskreis Energie des BUND, fest. „Nicht nur der Kohlepreis hat sich seit 2000 verdreifacht, auch die Versteigerung der C02 Emissionen ab 2013, verändert die Grundlagen der Planung. Eine angedachte CO2-Abscheidung, würde – wenn sie überhaupt technisch machbar wäre, erheblich Mehrkosten und Efektivitätsminderung verursachen.“
Es müsse nun noch einmal ernsthaft über Alternativen nachgedacht werden. Als Übergangslö-sung würde der BUND auch ein 400 MW Gaskraftwerk akzeptieren, eine weitestmögliche Kraft-Wärmekopplung vorausgesetzt. Die Versorgungssicherheit sei damit allemal gewähr-leistet und es blieben noch Investitionsmittel zur Energieeinsparung beispielsweise durch Contracting im Gebäudebereich oder für Erneuerbare Energien übrig.
Auch die Erhöhung der Temperatur des Rheines durch die Kühlwassereinleitung sei keines-wegs akzeptabel. Schon heute lägen die Wassertemperaturen des Rhein über den Grenzwer-ten. Für die Zukunft werde durch die Häufung sommerlicher Niedrigwasserstände und höhere Temperaturen eine weitere Temperturerhöhung erwartet. Das Kraftwerk leite überdies das erwärmte Kühlwasser in einen Seitenarm des Rhein, wo eine wesentlich langsamere Durch-mischung mit weniger belastetem Wasser stattfinde. Wandernde Fischarten würden hierdurch beeinträchtigt. Diese Planung sei nicht genehmigungsfähig.
Braun fordert Umweltministerin Conrad auf, gegen die Mainzer Pläne Farbe zu bekennen. Die rheinland-pfälzische SPD falle ihren hessischen SPD - Kollegen im Wahlkampf in den Rücken. „Wer Klimaschutz fordert und den Bau eines neuen völlig überdimensionierten Koh-lekraftwerkes unterstützt, der redet mit gespaltener Zunge und macht sich für den Bereich Umweltschutz insgesamt unglaubwürdig.“
Der BUND werde in den kommenden Wochen mit Aktionen und Informationsveranstaltun-gen gegen die Kraftwerksplanung Stellung beziehen. Einwendungen würden nicht nur selbst eingebracht, sondern auch weiterhin gesammelt.
Unterstützt werde auch die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz, KOMA, die zeigt, dass die Mainzer und Wiesbadener Bevölkerung die jetzige Planung nicht akzeptiere.

Für Rückfragen: Dr. B. Braun 0621 5294080 bzw. 0177 4638793
Michael Ullrich 06131 231973



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