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Herbststürme in unseren Straßen: Laubbläser

11. Oktober 2017

Der BUND Mainz empfiehlt: Besen und Rechen zum Schutz von Mensch und Umwelt

Katrina, Irma, Christian, Xavier - diese Namen kennen wir von den verheerenden Hurrikans und Stürmen der letzten Jahre. Eigentlich sollten die Hersteller von Laubbläsern ihre Modelle ebenso benennen, denn was Stürme für ganze Länder sind, sind Laubbläser für unsere Straßen und Wege und deren Bewohner. Gemeint sind nicht die lärmgeplagten AnwohnerInnen, sondern Klein- und Kleinstlebewesen, die aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen und weit weg gewirbelt werden. Hat ein kleiner Igel besonderes Pech, wird er von einem Laubsauger geschluckt und zerhäckselt.

Laub ist kein Abfall, sondern Teil des Nährstoff- und Naturhaushaltes. Lockerer Oberboden, Humusteile, Pflanzenreste und Blätter werden durch die Geräte aufgesaugt oder verblasen. Der Entzug von Biomasse aus dem natürlichen Stoffkreislauf führt zu einer Verarmung des Bodenlebens. Die am Boden lebenden Kleintiere wie Insekten, Spinnen und Kleinsäuger verlieren Nahrung und Lebensraum, der Boden wird der Deck-Schicht beraubt, die ihn vor Austrocknung und bei extremer Kälte schützt. Und im Frühjahr fehlt der aus verottetem Laub gebildete Humus als natürlicher Dünger. "Im Interesse der Natur und der Artenvielfalt in Gärten und Parkanlagen, aber auch im Interesse der Gesundheit des Menschen sollte das anfallende Laub mit einem Besen oder Rechen schonend zusammengekehrt werden", erläutert Kreisgruppensprecherin Hannah Neu vom BUND. Leicht verrottendes Laub, z. B. von Erle, Linde, Ahorn und Buche oder von Obstbäumen darf sogar in dünnen Schichten auf dem Rasen liegen bleiben. Es ist wertvolle Regenwurmnahrung. Schwer verrottbares Laub, z. B. von Walnuss, Eiche, Kastanie und Pappel kann unter Büsche und Bäume verteilt werden, wo es zu Langzeitdünger verrottet.

Natürlich muss Laub dort, wo Unfallgefahr besteht, entfernt werden - aber dazu braucht es nicht zwangsläufig einen lauten Laubbläser, denn die Geräte können auch für Menschen eine Gefahr darstellen. "Sie belasten die Gesundheit von Mensch und Tier durch Lärm, Schadstoffe und unnötigen Energieverbrauch", beklagt Hannah Neu. Die Geräte, die von einem Zweitaktmotor angetrieben werden, stoßen nach Berechnungen des Umweltbundesamtes 200 Mal so viel unverbrannte Kohlenwasserstoffe aus wie ein PKW mit geregeltem Katalysator. Sollte ein Einsatz unbedingt nötig sein, empfiehlt der BUND daher, bevorzugt akku- und mit Ökostrom betriebene Geräte zu verwenden. Aber selbst diese verhindern nicht, dass an Wegen und Straßen Feinstaub aufgewirbelt wird, der Dieselruß und krebserregende Substanzen vom Reifen- und Bremsenabrieb enthalten kann. Auch mikrobiologische Verunreinigungen wie Bakterien, Schimmelpilze sowie Gräser- und Blütenpollen werden aufgewirbelt und können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und zu allergischen Reaktionen führen.

Wo immer möglich sollte deshalb zu Besen und Rechen gegriffen werden. In vielen Fällen ist das nicht nur gesünder und umweltfreundlicher, sondern übrigens auch schneller als ein Laubbläser.

Weitere Informationen: BUND Kreisgruppe Mainz-Stadt, Mail: mainz@bund-rlp.de



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