13. März 2010
Stellungnahme des BUND Mainz zum Ausbau der A 643
Mainz. Die Schiersteiner Brücke muss neu gebaut werden, daran führt kein Weg vorbei. Im Zuge dessen soll ein sechsspuriger Ausbau der gesamten A 643 zwischen Autobahnkreuz Schierstein und Dreieck Mainz stattfinden. Die Pläne für den ersten Bauabschnitt (AK Schierstein bis AS Mombach) lagen in den vergangenen Wochen zur Einsicht aus. Nach Ansicht des BUND Mainz gibt es daran noch einiges zu verbessern: der geplante Ausbau ist überdimensioniert und schadet Mensch und Natur.
Die Autobahn 643 und die Schiersteiner Brücke durchschneiden ein Gebiet, das für den Naturschutz und für die Erholung der Menschen in Mainz und Umgebung von großer Bedeutung ist. Mombacher Rheinufer, Lennebergwald und Mainzer Sand und auch die Rettbergsaue in Hessen bieten einen wichtigen Rückzugsraum für Mensch und Natur. In seiner Stellungnahme zu den Ausbauplänen fordert der BUND darum, dass keine weiteren Belastungen für diese Gebiete entstehen: der Flächenverbrauch muss so gering wie möglich gehalten werden und die Schadstoff- und Lärmbelastung darf nicht weiter zunehmen. Einer Verbreiterung der bestehenden Autobahntrasse im an die Brücke anschließenden Planungsgebiet, das in den Naturschutzgebieten Mainzer Sand und Lennebergwald liegt, kann der BUND darum nicht zustimmen.
Die A 643 sei aufgrund ihrer Lage und Gestaltung als Stadtautobahn zu behandeln, und dementsprechend sei ein gegenüber den Planungen verminderter Querschnitt anzusetzen, so der BUND in seiner Stellungnahme. Anstatt immer größere Strassen für immer mehr Autos und LKW zu planen, wäre es sinnvoller, mehr Geld in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren und eine umweltschonende Mobilität zu fördern. Auf einer Stadtautobahn wäre auch ein Tempolimit von 80 bis 100 km/h vorgeschrieben. Eine solche Begrenzung der Geschwindigkeit würde das Stauproblem auf der Strecke verringern: große Geschwindigkeitsunterschiede, wie sie auf Strecken ohne Tempolimit entstehen, sind nach Ansicht der Verkehrswissenschaft ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Staus und Unfällen.
Ein niedrigeres Tempo würde auch bedeuten, dass der Verkehrslärm und der Schadstoffausstoß sinken. Die aktuellen Entwürfe nehmen für beide Faktoren eine leichte Zunahme der Belastung an, die nach Ansicht der Planer aber vernachlässigbar ist. In den Augen des BUND ist dies eine Planung, die die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt außer Acht lässt. Die gesamte Lärmbelastung, der die Einwohner der Region ausgesetzt sind, ist bereits so hoch, dass jegliche weitere Zunahme verhindert werden muss, im Gegenteil ist eine Verringerung erforderlich, um die gesundheitlichen Schäden möglichst zu minimieren.
Vergleichbares gilt auch für die Emission von Schadstoffen wie Stickstoff, der die Natur im Mainzer Sand ohnehin schon stark schädigt, und Feinstaub. In der vorliegenden Untersuchung der Schadstoffimissionen wurden sehr kleine Feinstaubpartikel (PM2,5) nicht erfasst. Von diesen Partikeln geht aufgrund ihrer geringen Größe ein höheres Gesundheitsrisiko als von größerem Feinstaub (PM10) aus. In der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie (Richtlinie 2008/50/EG) werden hier Grenzwerte festgelegt, die spätestens bis zum 11. Juni 2010 in deutsches Recht umgesetzt sein sollen. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden, so die Meinung des BUND.
Der BUND fordert von den zuständigen Behörden, dass an Stelle eines Verkehrskonzepts aus dem vergangenen Jahrhundert die Förderung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Mobilität bei den Planungen im Vordergrund stehen muss. Der technisch notwendige Ersatz der Schiersteiner Brücke müsse so geschehen, dass er nicht zu weiteren Belastungen für Mensch und Natur in diesem sensiblen Bereich führe.